News vom: 14.05.2010

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60 Jahre TTC Forchheim - ein Zeitzeuge erinnert sich



60 Jahre TTC Forchheim – Ein Zeitzeuge erinnert sich




Ein Bild vom Training des TTC Forchheim aus den 1950er Jahren.

Hier spielt Hans Burkart, ein Cousin von Heinz Burkart. Foto:privat



Wer heute f?r den TTC Forchheim bei einem Verbandsspiel oder Turnier antritt, repr?sentiert nicht irgendeinen Verein, sondern einen Tischtennisclub mit gro?er Tradition und jahrzehntelanger Geschichte. Das 60-j?hrige Bestehen des TTC Forchheim im Jahr 2010 soll deshalb ein Anlass sein, kurz zur?ckzublicken, um zu sehen, wie alles begann.


Und wer k?nnte davon besser berichten, als einer, der von Beginn an dabei war und heute noch an der Platte steht: Heinz Burkart ist der ?lteste aktive Spieler des TTC Forchheim. Der 78-J?hrige hat den Verein durch H?hen und Tiefen begleitet. TTC-Pressewart Norbert Demuth hat mit Heinz Burkart gesprochen und in Archiven gekramt.



Rheinstetten-Forchheim. F?r Heinz Burkart ist Tischtennis ein Lebenselixier. Und das gilt im wahrsten Sinne des Wortes. Als er vor vier Jahren eine schwere Operation hinter sich bringen musste und zwischenzeitlich stark an Gewicht verlor, gab er sich trotzdem nicht auf: „Wenn ich das Tischtennis nicht gehabt h?tte, w?rde ich heute nicht mir da sein“, sagt Heinz, der inzwischen wieder regelm??ig trainiert und mit messerscharfem Unterschnitt an der Platte steht. Heinz Burkart ist mit seinen 78 Jahren der ?lteste aktive Spieler des „Tischtennisclubs 1950 Forchheim“, der vor 60 Jahren gegr?ndet wurde.



Am 29. April 1950 erschien ein geheimnisvoller Aufruf im Gemeindeanzeiger:


F?r alle Tischtennisfreunde!

Am Dienstag, dem 2. Mai 1950, 20,00, treffen sich

im Gasthaus zum Schwanen (oberer Saal) alle

Forchheimer Freunde des

TISCH-TENNIS

zu einer wichtigen Aussprache.

Hierzu sind alle Tisch-Tennis-Spieler und Spielerinnen

(Jugendliche ab 15 Jahren) herzlichst eingeladen.

Die Einberufer.



Das Treffen im Gasthaus fand wie geplant statt. Die „wichtige Aussprache“ war die Gr?ndungsversammlung. An jenem Dienstagabend im Mai wurde der TTC Forchheim gegr?ndet. Gr?ndungsmitglieder sind Erich Oberle, Walter Deck, Florian Holzmann, Johann Heck, Heinz Burkart, Gerhard F?tterer, Manfred Burkart und Heinz K?stel. Spiellokal war fortan ein Nebenzimmer im „Schwanen“ in der Hauptstra?e. Der Mitgliedsbeitrag betrug monatlich 1 D-Mark. Bald hat der Verein schon 48 Mitglieder.




Ein Bild aus den Anfangszeiten: Heinz Burkart (stehend dritter von links). Ganz hinten mit Brille: Erich Oberle, einer der Vereinsgr?nder. Foto: privat




Den fr?hlichen Umtrunk nach dem Training gab es auch damals schon: Zweiter von links: Hans Burkart, dritter von links: Heini Eby, dann Erich Oberle, die Kronen-Wirtin, Alban Burkart, Heinz Burkart und die Wirtstochter, die auch in der Damenmannschaft des TTC spielte. Foto: privat


Doch Heinz Burkart hat auch Zeiten erlebt, als der Verein in der Krise steckte – und diese Zeiten kamen schon bald. Im Jahr 1953 gab es nur noch zw?lf Mitglieder. Damals war bei vielen die Leidenschaft f?r das Tischtennis erloschen, manche spielten lieber Skat - der Verein stand auf der Kippe. Heinz r?ttelte damals seine Vereinskameraden mit dem Spruch auf: „Entweder spiele’ mer Tischtennis oder Skat!“ So raufte man sich wieder zusammen. Und langsam stieg auch die Mitgliederzahl wieder an. 1955 waren es schon wieder 34 Mitglieder - heute sind es rund 200.


Diejenigen, die in den 1950er Jahren im Tischtennis eine Hoffnung sahen, hatten den Krieg und die kargen Nachkriegsjahre miterlebt. „Ich hab den Krieg als Sch?ler mitgemacht“, erinnert sich Heinz.Als er in der 8. Klasse war, hie? es pl?tzlich, dass keine Schule mehr stattfindet. Was heutzutage f?r viele Penn?ler ein Anlass f?r Freudenschreie w?re, war damals ein Grund zum Wehklagen. „Wegen der Bombenangriffe war es einfach zu gef?hrlich, zur Schule zu gehen“, sagt Heinz. Stattdessen mussten die Sch?ler „antreten“ und im Sinne der Propaganda durch die Stra?en Forchheims marschieren. Heinz Burkart erhielt zwar noch einen Stellungsbefehl zur Wehrmacht mit 14 Jahren. Doch sein Vater sagte damals zum Sohn mit gro?er Deutlichkeit: „Du gehst net noo!“


Heinz Burkart hatte Gl?ck. Zwei Tage sp?ter marschierte die franz?sische Armee in Forchheim ein. „Die Franzosen sind mit Panzern die B 36 raufgekommen“, erinnert er sich lebhaft, als w?re es erst gestern geschehen. Die Franzosen hatten mit ihrer Artillerie noch M?rsch beschossen, das bitter verteidigt wurde. Es gab viele Tote und Verletzte.


Doch als der Krieg endlich vorbei war, wusste Heinz sofort, was er werden wollte: Zimmermann. „Es gab viel zu tun – es war ja alles kaputt“, sagt er. Er begann eine Lehre in Daxlanden. Am 9. Mai 1950 - eine Woche nach der Gr?ndung - kaufte der Verein zwei Tischlerplatten f?r insgesamt 104,80 DM. Heinz Burkart fabrizierte daraus die ersten zwei vereinseigenen Tischtennisplatten. Der am 19. November 1931 geborene war damals 18 Jahre alt. „Die Holzplatten hatten eine St?rke von etwa 20 Millimetern und lagen auf Holzb?cken“, erinnert er sich.



104,80 DM kosteten die Tischlerplatten, aus denen Heinz Burkart die ersten vereinseigenen Tischtennisplatten fabrizierte.



Mitte der 50er Jahre hatte der TTC Forchheim schon eine Damenmannschaft. Foto: privat



1958 stand der erste Umzug f?r den TTC Forchheim an, weil der Raum des Schwanen anderweitig gebraucht wurde. Bis 1963 spielte man f?nf Jahre lang im Saal des Gasthauses zur Krone. 1964 kam der n?chste Umzug – sieben Jahre lang spielte der TTC Forchheim im „Adler“. 1969 beantragte der damalige 1. Vorstand Erich Oberle bei der Gemeinde, in die neu errichtete Turnhalle der Schwarzwaldschule umziehen zu d?rfen. Dem Antrag wurde stattgegeben. 1971 wurde bei der damaligen allj?hrlichen Neujahrsfeier des Vereins im Gasthaus zum Adler der Umzug in die neue Halle bekannt gegeben.




Die 1. Herrenmannschaft des TTC Forchheim in der Verbandsrunde 19070/1971.Von links nach rechts: Josef Leicht, Klaus Schorb, J?rgen Baumgarth, Norbert Heck, Heinz Burkart und Berthold B?tz. Foto: privat


1980 gewann Jiri Zimmermann – heute die Nummer 1 der Herren des TTC in der Bezirksklasse – die Kreismeisterschaft im Doppel zusammen mit einem gewissen Steffen Fetzner vom TV Sp?ck. Fetzner sollte sp?ter noch weltweit von sich reden machen. 1989 wurde er zusammen mit J?rg Ro?kopf Weltmeister im Doppel, als in Dortmund die Tischtennis-WM ausgetragen wurde. 






Heinz Burkart mit J?rg Winter (links) und Jiri Zimmermann (rechts). Foto: privat


Heinz Burkart sah alle diese Spieler heranwachsen und verfolgte ihren Weg. Er war zwar nie 1. Vorstand, aber jahrzehntelange Sportwart. Er fungierte auch als Staffelleiter und spielte selbst bei zahlreichen Turnieren und unz?hligen Verbandsspielen mit. „Nach Langensteinbach sind wir zu Spielen anfangs noch mit dem Fahrrad gefahren“, erinnert sich der 78-J?hrige.




Anfangs fuhr man noch mit dem Fahrrad zum Ausw?rtsspiel nach Langensteinbach, sp?ter nahm man dann schon den Mietwagen, wie diese Rechnung aus dem Jahr 1956 beweist.



„Wenn er verloren hatte, ist er oft mit sooo einem Gesicht nach Hause gekommen“, erz?hlt seine Frau und imitiert h?ngende Mundwinkel. „Tischtennis ist sein A und O“, best?tigt sie. Heinz selbst sagt, er habe „nie nur so rumspielen wollen“, fuhr zu vielen Turnieren, war mehrfach Vereinsmeister und holte zwei dutzend Pokale, die noch heute auf einem Schrank im Hauseingang gl?nzen. Und er kann sich sogar Vize-Europameister nennen.



Bei den Tischtennis-Senioren-Europameisterschaften 1995 in Wien erreichte Heinz Burkart in der Altersklasse III (?ber 60 Jahre) zusammen mit Hansj?rg G??ler (damals noch TG Eggenstein, sp?ter TTC Forchheim) den zweiten Platz. Dabei besiegten sie Doppel aus Tschechien, ?sterreich und eine deutsch-russische Paarung. Erst im Endspiel mussten sie sich dem favorisierten englischen Doppel geschlagen geben.


Heute gef?llt ihm nicht, wenn Jugendliche nach einer Niederlage „den Schl?ger wegschmei?en“. Denn das gebe „kein gutes Bild“ ab. „Im Verlieren zeigt sich der Sportsmann“, mahnt er. Wenn er die Situation heute mit der Zeit von fr?her vergleicht, f?llt ihm auf, dass es heute „diese Gr?ppchen von Jung und Alt gibt“. Gemeinsame Aktivit?ten seien selten – abgesehen vom Umtrunk im Lobberle nach dem Training. „Die Gemeinschaft im Verein war fr?her enger“, sagt Heinz.


Wer heute den eher schm?chtigen Senior an der Platte stehen sieht, ahnt kaum, dass er damals mit 20, 30 Jahren ein durchaus kr?ftiger Mann war. Warum hat er sich fr?her f?r Tischtennis entschieden – und nicht zum Beispiel f?r Fu?ball? Die Antwort kommt spontan, ohne Z?gern: „Tischtennis hat mir einfach Spa? gemacht.“




Heinz Burkart mit 78 Jahren bei der Unterschnitt-Abwehr.


Das sp?rt man noch heute: Wenn er dem kleinen wei?en Zelluloidball viel Schnitt mitgibt, vergisst Heinz Burkart die Schwierigkeiten und R?ckschl?ge des Lebens. Und so werden die Berliner Freunde von der TSG Obersch?neweide aus K?penick wohl auch in diesem Jahr, wenn sie Heinz Burkart wiedersehen, ausrufen: „Det Stehaufm?nnchen is auch wieder da!“



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Tierarzt Dr. Seitz
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